Versprochen ist versprochen
Warum Mitarbeiter helfen das Markenversprechen einzulösen und was Unternehmen tun können, um aus Mitarbeitern Markenbotschafter zu machen
Ein Markenversprechen entsteht in der Kommunikation. Eingelöst wird es von Menschen. Wer das ernst nimmt, stellt fest, dass Markenführung auch immer Personalführung ist. Vier Handlungsfelder, die den Unterschied machen.
Das Markenversprechen ist kein Text. Es ist eine Erwartung. „Merci, dass es dich gibt." „Red Bull verleiht Flügel." „Wir machen den Weg frei." Die meisten von uns könnten diese Sätze ohne Nachdenken dem richtigen Unternehmen zuordnen. Das sind keine Zufälle. Dahinter stecken Jahre konsequenter Kommunikation und beträchtliche Budgets.
Doch was passiert mit diesem Versprechen, wenn jemand beim Hersteller anruft und das Gespräch alles andere als einladend verläuft? Die emotionale Aufladung der Werbung bekommt sofort Risse. Das Markenversprechen beginnt zu kippen, nicht wegen der Botschaft, sondern wegen des Erlebnisses dahinter.
Das ist kein Einzelfall. Lange Warteschlangen, mangelndes Wissen, fehlende Wertschätzung: Die Liste der Momente, an denen Marken unglaubwürdig werden, ist lang. Früher blieb eine schlechte Erfahrung im Bekanntenkreis. Heute trägt ein Kommentar in sozialen Netzwerken viel weiter. Es ist deshalb wichtiger denn je, das Markenversprechen auf allen Ebenen konsistent zu halten, von außen nach innen und von oben nach unten.
1. Der Mitarbeiter als Markenbotschafter
Jeder Kontakt zwischen Kunde und Mitarbeiter trägt dazu bei, die Attribute und Werte der Marke zu vermitteln. Ob Kassiererin, Fahrer, Serviceberater oder Büromitarbeiter, jeder hat Berührungspunkte, die auf die Marke einzahlen oder sie beschädigen.
Das hat Konsequenzen für die Personalauswahl. Wer ausschließlich auf fachliche Qualifikation schaut, greift zu kurz. Fachliche Kompetenzen lassen sich entwickeln. Werthaltungen und Persönlichkeitsmerkmale, die zur Marke passen, lassen sich kaum trainieren. Stellenausschreibungen bilden das selten ab. Oft stehen dort Begriffe wie Einsatzbereitschaft oder Teamfähigkeit, Allgemeinplätze, die nichts über die eigentliche Passung aussagen. Wer konkret formuliert, wen er sucht, bekommt am Ende auch die richtigen Kandidaten.
Fachliche Kompetenzen können erworben werden. Werteinstellungen sind kaum oder nur mit unverhältnismäßig hohem Aufwand veränderbar.
Steve Jobs hat das einmal auf eine andere Art gesagt. Sein Modell für Unternehmensführung waren die Beatles: vier Menschen, die sich gegenseitig in Schach hielten und als Einheit mehr leisteten als jeder für sich. Das hat nichts mit Harmonie zu tun, sondern mit geteilter Haltung.
„Großartige Dinge im Geschäftsleben werden nie von einer einzelnen Person vollbracht. Sie werden von einem Team vollbracht." Steve Jobs, Playboy-Interview, 1985
Ich empfehle deshalb, zunächst auf Managementebene ein gemeinsames Markenverständnis zu entwickeln. Wenn die Führung nicht einig ist, wofür die Marke steht, kann das im Recruiting nicht anders werden.
2. Die Emotion als Multiplikator
Stell dir vor, ein Unternehmen hätte ausschließlich Mitarbeiter, die für die Marke wirklich eintreten. Der Vertrieb würde mit mehr Überzeugung verkaufen. Die Personalabteilung hätte mehr Auswahl bei Kandidaten. Lieferanten und Partner würden anders auf das Unternehmen reagieren. Das klingt weit hergeholt, ist es aber nicht.
Was dafür gebraucht wird, ist die Arbeit an den emotionalen Eigenschaften der Marke und an ihrer Verankerung. Nicht als Plakat im Flur, sondern als Maßstab in der täglichen Arbeit. Führungskräfte müssen diese Eigenschaften mit ihren Teams konkretisieren: Was bedeuten die Markenwerte für unsere Abteilung? Welchen Beitrag leistet meine Arbeit zur Marke?
Mitarbeiter, die wissen, warum sie etwas tun, arbeiten anders als Mitarbeiter, die nur wissen, was sie tun sollen. Das klingt nach einer Selbstverständlichkeit. In der Praxis wird dieser Schritt oft übersprungen.
3. Im Dialog kommunizieren
Eines der häufigsten Versäumnisse, das ich beobachte: Die Markenstrategie wird einmal vorgestellt und dann erwartet, dass sie wirkt. Eine Kick-off-Veranstaltung und ein zentraler Ablageort für Dokumente sind aber keine Kommunikation. Sie sind Information.
Kommunikation beginnt dort, wo Dialog entsteht. Das persönliche Gespräch, die Frage im Meeting, das Ritual, das eine Haltung sichtbar macht: All das trägt mehr zur Markenverankerung bei als ein ausgefeiltes Dokument, das niemand wieder öffnet.
Was auf dem Papier steht, wirkt erst dann, wenn jemand darüber spricht.
Für größere Unternehmen mit mehreren Standorten hat sich das Social Intranet als sinnvolles Werkzeug entwickelt. Es ermöglicht Austausch über Abteilungs- und Standortgrenzen hinweg, gibt Mitarbeitenden eine Stimme und fördert die Identifikation mit dem Unternehmen. Welche digitalen Kanäle sich dafür eignen und worauf es bei der Einführung ankommt, habe ich im Artikel Digitale Wege der internen Kommunikation ausführlicher beschrieben. Klar ist aber auch: Das Werkzeug allein bewirkt nichts. Es erfordert die Bereitschaft der Führungsebene, Offenheit auch auszuhalten. Wer ein Social Intranet einführt, aber echten Dialog vermeidet, macht die Plattform schnell unglaubwürdig.
In Projekten sehe ich das immer wieder. Ein Unternehmen mit mehreren Standorten führt ein internes Kommunikationssystem ein, gestaltet es sorgfältig, schult die Teams. Dann trägt die Geschäftsführung selbst kaum etwas bei. Die Plattform wird aktiv genutzt, aber nicht von denen, die eigentlich vorangehen sollten. Nach wenigen Monaten versiegt der Austausch, weil Mitarbeitende spüren, dass ihre Beiträge ins Leere laufen. Das Werkzeug war gut. Die Haltung dahinter hat nicht gestimmt.
Über das Digitale hinaus muss die Marke im Unternehmen auch physisch erfahrbar sein: im Gebäude, in der Ausstattung, in der Kleidung. Ein konsistentes Erscheinungsbild hat nachweislich Einfluss darauf, wie stark sich Mitarbeitende mit einem Unternehmen identifizieren. Wer täglich in einem Umfeld arbeitet, das die Marke sichtbar macht, verinnerlicht deren Werte anders als jemand, dem die Marke nur aus dem Intranet bekannt ist.
4. Das gute Beispiel
An einem Punkt ändert sich wenig durch Maßnahmen, wenn das Topmanagement die Markenwerte nicht selbst lebt. Das ist eine alte Weisheit, die sich trotzdem immer wieder bestätigt. Führungskräfte prägen die Erwartungen ihrer Teams. Was oben sichtbar vorgelebt wird, findet unten schneller Eingang in den Alltag.
Das bedeutet auch: Auf allen Hierarchieebenen braucht es Menschen, die als Multiplikatoren wirken. Nicht als Kontrolleure, sondern als glaubwürdige Träger der Marke. Wer diese Personen frühzeitig identifiziert und in die Entwicklung der Markenstrategie einbezieht, erzeugt ein anderes Commitment als bei einer reinen Top-down-Kommunikation.
Eine Marke, die oben beschlossen und unten umgesetzt werden soll, kommt selten dort an, wo sie hingehört.
Dabei geht es nicht um Kontrolle. Ein Multiplikator wirkt nicht, weil er bewertet, ob andere die Markenwerte richtig umsetzen. Er wirkt, weil er selbst zeigt, wie es geht, in Meetings, in Entscheidungen, im Umgang mit Fehlern. Wer solche Menschen kennt und ihnen Sichtbarkeit gibt, verbreitet Markenwerte schneller als jede interne Kampagne.
Feedback-Kultur ist in diesem Zusammenhang kein Nice-to-have. Wer wissen will, ob das Markenversprechen in der Organisation ankommt, muss Wege schaffen, wie Rückmeldungen nach oben gelangen. Gespräche, Workshops, strukturierte Mitarbeiterbefragungen und digitale Kanäle können das leisten, aber nur, wenn die Führung wirklich zuhört. Und bereit ist, das, was sie hört, auch ernst zu nehmen.
Was Markenführung von innen erfordert
Wer sein Markenversprechen halten will, kann sich nicht auf die externe Kommunikation beschränken. Mitarbeitende sind die einzigen, die das Versprechen täglich einlösen oder brechen, im Gespräch mit Kunden, im Umgang mit Lieferanten, in der Art, wie sie über das Unternehmen reden.
Das deckt sich mit dem, was der Edelman Trust Barometer regelmäßig zeigt: Der eigene Arbeitgeber genießt bei Mitarbeitenden mit 78 Prozent das höchste Vertrauen aller untersuchten Institutionen, deutlich vor der Wirtschaft allgemein und vor der Politik. Wer als Marke glaubwürdig wirken will, kommt an dieser Vertrauensquelle nicht vorbei, sie lässt sich aber auch nicht kaufen, sondern nur durch Erlebnis verdienen.
Die eigentliche Gefahr liegt dabei nicht in der bösen Absicht, sondern in der Gleichgültigkeit. Niemand beschließt morgens, die Marke zu beschädigen. Es passiert, wenn Mitarbeitende nicht wissen, wofür das Unternehmen steht. Wenn sie nie gefragt wurden, was ihnen an der Arbeit wichtig ist. Wenn das, was nach außen kommuniziert wird, mit dem, was sie täglich erleben, nicht übereinstimmt.
Diese Lücke schließt keine Kampagne. Sie schließt sich nur, wenn Führungskräfte auf allen Ebenen den Anspruch ernst nehmen, den die Marke nach außen stellt. Das ist kein einmaliges Projekt. Es ist ein fortwährender Prozess, der Konsequenz erfordert. Nicht perfekte Umsetzung, aber den ernsthaften Willen, Anspruch und Erlebnis so weit wie möglich in Deckung zu bringen.
Unternehmen, die das schaffen, merken es selten sofort. Sie merken es daran, dass Mitarbeitende in Gesprächen anders über das Unternehmen reden. Dass Kandidaten im Bewerbungsprozess berichten, was sie von Freunden und Bekannten gehört haben. Dass Kunden eine Konsistenz wahrnehmen, die sie nicht benennen können, aber spüren. Das Markenversprechen hat dann aufgehört, ein Satz zu sein. Es ist zur Gewohnheit geworden.
Habt ihr Fragen oder andere Erfahrungen gemacht? Ich freue mich über den Austausch. Schreibt mir gerne über das Kontaktformular oder kommentiert den Artikel.
Die Handlungsfelder im Überblick
Neun konkrete Empfehlungen, um das Markenversprechen von innen heraus zu verankern.
1. Gemeinsames Markenverständnis schaffen Auf Managementebene klären, wofür die Marke steht, bevor das nach unten kommuniziert wird. Praxisfrage: Würden alle Führungskräfte dasselbe sagen, wenn man sie einzeln fragt?
2. Im Recruiting auf Passung achten Kandidaten auswählen, die zur Marke passen. Fachliche Kompetenzen lassen sich entwickeln, Wertehaltungen kaum. Praxisfrage: Spiegeln unsere Stellenausschreibungen konkrete Werte oder Allgemeinplätze?
3. Emotionale Markeneigenschaften klar formulieren Nicht als Leitbild-Floskeln, sondern als verständliche Attribute, mit denen Mitarbeitende arbeiten können. Praxisfrage: Könnte ein neuer Mitarbeiter aus unseren Markenwerten ableiten, wie er sich im Kundengespräch verhalten soll?
4. Markenwerte auf Abteilungsebene konkretisieren Jede Abteilung sollte wissen, welchen Beitrag sie zur Marke leistet und warum das wichtig ist. Praxisfrage: Kennen die Mitarbeitenden den Zusammenhang zwischen ihrer Arbeit und der Marke?
5. Aktiv und persönlich kommunizieren Information ist kein Dialog. Führungskräfte müssen ins Gespräch kommen und bleiben. Praxisfrage: Wann haben wir zuletzt aktiv nach Feedback zur Marke gefragt?
6. Marke im Unternehmen sichtbar machen Gebäude, Ausstattung, Arbeitskleidung: Das visuelle Umfeld trägt zur Identifikation bei. Praxisfrage: Erlebt ein neuer Mitarbeiter die Marke am ersten Tag auch physisch?
7. Multiplikatoren identifizieren Auf allen Ebenen Personen finden, die Markenwerte glaubwürdig verkörpern und weitertragen. Praxisfrage: Wer trägt die Marke in unserem Unternehmen wirklich, nicht nur nominell?
8. Feedback-Kultur fördern Wege schaffen, über die Rückmeldungen zur Marke nach oben gelangen: Gespräche, Befragungen, digitale Kanäle. Praxisfrage: Erfährt das Management, wenn das Markenversprechen im Alltag nicht eingelöst wird?
9. Vorleben als Führungsaufgabe verstehen Führungskräfte aller Ebenen müssen die Markenwerte sichtbar und unmissverständlich leben. Praxisfrage: Würden Mitarbeitende sagen, dass die Führung die eigenen Markenwerte lebt?
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